{"id":5755,"date":"2026-04-29T09:21:00","date_gmt":"2026-04-29T07:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/procapgrischun.ch\/?p=5755"},"modified":"2026-04-29T09:21:00","modified_gmt":"2026-04-29T07:21:00","slug":"behindertenpolitik-in-graubuenden-zwischen-klaren-forderungen-und-weiterhin-grossem-handlungsbedarf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/procapgrischun.ch\/RO\/behindertenpolitik-in-graubuenden-zwischen-klaren-forderungen-und-weiterhin-grossem-handlungsbedarf\/","title":{"rendered":"(Deutsch) Behindertenpolitik in Graub\u00fcnden: Zwischen klaren Forderungen und weiterhin grossem Handlungsbedarf"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5754\" src=\"https:\/\/procapgrischun.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_1189_klein-300x196.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"196\" srcset=\"https:\/\/procapgrischun.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_1189_klein-300x196.jpg 300w, https:\/\/procapgrischun.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_1189_klein-1024x669.jpg 1024w, https:\/\/procapgrischun.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_1189_klein-768x502.jpg 768w, https:\/\/procapgrischun.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_1189_klein-1536x1003.jpg 1536w, https:\/\/procapgrischun.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_1189_klein-250x163.jpg 250w, https:\/\/procapgrischun.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_1189_klein-550x359.jpg 550w, https:\/\/procapgrischun.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_1189_klein-800x523.jpg 800w, https:\/\/procapgrischun.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_1189_klein-276x180.jpg 276w, https:\/\/procapgrischun.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_1189_klein-459x300.jpg 459w, https:\/\/procapgrischun.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_1189_klein-766x500.jpg 766w, https:\/\/procapgrischun.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_1189_klein.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Den Auftakt des Podiums machten die beiden Behindertenorganisationen: Fabian Collenberg stellte Pro Infirmis vor, w\u00e4hrend Reto Crameri f\u00fcr Procap Grischun sprach. Dabei wurde gleich zu Beginn eine zentrale Herausforderung angesprochen: die Finanzierung von Leistungen. Aktuell wird nur ein Teil davon abgegolten \u2013 entsprechend stellte sich die Frage, ob der Kanton k\u00fcnftig mehr Verantwortung \u00fcbernehmen wird.<\/p>\n<p>Im Anschluss diskutierten neun Regierungsratskandidatinnen und -kandidaten \u00fcber zentrale Fragen der Behindertenpolitik im Kanton Graub\u00fcnden. An der Veranstaltung nahmen knapp 80 Personen teil. Moderiert wurde sie von Pierina Hasler von der S\u00fcdostschweiz.<\/p>\n<p>Zu Beginn der Diskussion wurde deutlich, wie pr\u00e4sent Barrieren im Alltag sind. Die Kandidierenden wurden gebeten, sich vorzustellen, sie w\u00e4ren im Rollstuhl unterwegs oder von einer Sehbehinderung betroffen. Die Antworten zeigten, dass Hindernisse oft schon im eigenen zu Hause beginnen und sich im \u00f6ffentlichen Raum fortsetzen. Zu steile Strassen, nicht barrierefreie Eigenheime sowie kleine, nicht umgebaute Bahnh\u00f6fe stellen konkrete Alltagsh\u00fcrden dar.<\/p>\n<p>Im Verlauf der Diskussion wurde klar, dass Behindertenpolitik kein Randthema ist, sondern zahlreiche Lebensbereiche betrifft \u2013 von Wohnen \u00fcber Mobilit\u00e4t bis hin zu Bildung und Arbeitsmarkt. Entsprechend m\u00fcsse Inklusion als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden und in allen politischen Prozessen mitgedacht werden. Nora Saratz Canzin betonte, die \u00f6ffentliche Hand m\u00fcsse auch einmal \u00fcber das gesetzliche Minimum hinausgehen. Carmelia Maissen hob hervor, Organisationen wie Pro Infirmis und Procap seien wichtig, auch weil sie Druck aufbauen k\u00f6nnten. Martin B\u00fchler erg\u00e4nzte, es seien Fortschritte erzielt worden, das Ziel aber noch nicht erreicht. Solche Organisationen seien Partner und keine Bittsteller. Peter Beyer wies darauf hin, dass die Umsetzung der Behindertenpolitik oft unterschiedlich ausfalle und mehr Unterst\u00fctzung notwendig sei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein zentrales Thema war der Wandel hin zu mehr Selbstbestimmung beim Wohnen. Die Abkehr von institutionellen L\u00f6sungen hin zu ambulanten Angeboten wurde grunds\u00e4tzlich begr\u00fcsst. Gleichzeitig wurde betont, dass dies nur gelingt, wenn neben finanziellen Mitteln auch ausreichend Fachpersonal, geeignete Wohnformen und funktionierende Strukturen vorhanden sind. Der akute Fachkr\u00e4ftemangel \u2013 insbesondere im Gesundheitsbereich \u2013 erschwert diese Entwicklung zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<p>Maurizio Michael f\u00fchrte aus, er komme aus einer Grenzregion, die stark auf Arbeitskr\u00e4fte angewiesen sei. Die Distanzen seien enorm, wodurch L\u00f6sungen f\u00fcr abgelegene Regionen schwierig w\u00fcrden. Hinzu k\u00e4men sprachliche und kulturelle Barrieren. Im Bergell sei es nicht immer gew\u00e4hrleistet, dass ein Kind mit Behinderung eine Schule besuchen k\u00f6nne, in der seine Sprache gesprochen wird.<\/p>\n<p>Martin B\u00fchler \u00e4usserte sich kritisch zur 10-Millionen-Schweiz-Initiative und gab zu bedenken, ob diese sinnvoll sei, wenn bereits heute ein deutlicher Personalmangel in der Pflege bestehe. Peter Peyer meinte pointiert, man m\u00fcsse nicht nur die Regierung w\u00e4hlen, sondern generell richtig w\u00e4hlen. Val\u00e9rie Favre Accola brachte ein Beispiel aus Australien ein, wo sie selbst eine Zeit lang lebte, wo Fachkr\u00e4fte gezielt in Regionen mit grossem Bedarf entsendet w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Auch bei der Mobilit\u00e4t zeigte sich deutlicher Handlungsbedarf. Trotz gesetzlicher Vorgaben ist der \u00f6ffentliche Verkehr im Kanton noch nicht fl\u00e4chendeckend barrierefrei. Besonders in abgelegenen Regionen f\u00fchren grosse Distanzen zu zus\u00e4tzlichen Herausforderungen. Gleichzeitig wurde betont, dass Investitionen in Barrierefreiheit langfristig allen zugutekommen.<\/p>\n<p>Neben der physischen Infrastruktur r\u00fcckte auch die digitale Barrierefreiheit in den Fokus. Kantonale Dienstleistungen und Informationen sollen so gestaltet werden, dass sie f\u00fcr alle Menschen zug\u00e4nglich sind. Marcus Caduff anerkannte bereits relevante Fortschritte, gleichzeitig seien aber weitere Anstrengungen gefordert.<\/p>\n<p>Im Bereich Arbeitsmarkt wurde die Verantwortung des Kantons als grosser Arbeitgeber betont. Es brauche nicht nur Programme und Budgets, sondern konkrete Anstellungen von Menschen mit Behinderungen sowie eine st\u00e4rkere Sensibilisierung in Verwaltung und Wirtschaft. Val\u00e9rie Favre Accola brachte dies auf den Punkt: \u00abWir m\u00fcssen es vorleben.\u00bb<\/p>\n<p>Ein besonders intensiver Teil der Diskussion drehte sich um die inklusive Bildung. Dabei wurde deutlich, dass es keine einfachen Antworten gibt. Inklusion kann insbesondere in den fr\u00fchen Schuljahren gut funktionieren, wird jedoch mit zunehmendem Alter komplexer. Einigkeit bestand darin, dass das Kindeswohl im Zentrum stehen muss und individuelle L\u00f6sungen gefragt sind. Gleichzeitig wurde betont, dass inklusive Bildung auch einen gesellschaftlichen Mehrwert schafft \u2013 insbesondere, wenn Familien selbstverst\u00e4ndlich in den Alltag integriert sind. Ein Beispiel aus Scuol, eingebracht von Aita Zanetti, zeigte dies: Ein Kind mit cerebraler L\u00e4hmung wurde integriert, die Familie war Teil der Gemeinschaft, und ein neu eingebauter Lift kam letztlich allen zugute. Reto Bott erg\u00e4nzte, dass Inklusion auch aus finanzieller Sicht g\u00fcnstiger sein k\u00f6nne als Separation.<\/p>\n<p>In der Abschlussrunde richtete sich der Blick in die Zukunft: Woran werden Menschen mit Behinderungen konkret merken, dass sich in den kommenden vier Amtsjahren etwas verbessert hat?<\/p>\n<p>Die Antworten zeigten, dass es weniger um einzelne Projekte als um nachhaltige Ver\u00e4nderungen im Alltag geht. Genannt wurden Fortschritte bei der digitalen Inklusion, verbindliche Vorgaben innerhalb der Verwaltung sowie eine st\u00e4rkere Verankerung sozialer Nachhaltigkeit. Entscheidend sei, dass Inklusion nicht nur politisch gefordert, sondern tats\u00e4chlich gelebt wird.<\/p>\n<p>Das Podium machte insgesamt deutlich: In Graub\u00fcnden wurden bereits wichtige Schritte unternommen, doch der Weg zu einer umfassenden Inklusion ist noch lang. Es braucht kontinuierliches Engagement, konkrete Massnahmen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und Organisationen, um die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen nachhaltig zu st\u00e4rken. Dabei wurde auch festgehalten, dass der Austausch mit Behindertenorganisationen bisher noch zu wenig stattfindet \u2013 und k\u00fcnftig gest\u00e4rkt werden sollte.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Auftakt des Podiums machten die beiden Behindertenorganisationen: Fabian Collenberg stellte Pro Infirmis vor, w\u00e4hrend Reto Crameri f\u00fcr Procap Grischun sprach. Dabei wurde gleich zu Beginn eine zentrale Herausforderung angesprochen:&#8230;  <a class=\"excerpt-read-more\" href=\"https:\/\/procapgrischun.ch\/RO\/behindertenpolitik-in-graubuenden-zwischen-klaren-forderungen-und-weiterhin-grossem-handlungsbedarf\/\" title=\"Read (Deutsch) Behindertenpolitik in Graub\u00fcnden: Zwischen klaren Forderungen und weiterhin grossem Handlungsbedarf\">Cite\u0219te mai mult &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5761,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5755","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"acf":[],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/procapgrischun.ch\/RO\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5755","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/procapgrischun.ch\/RO\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/procapgrischun.ch\/RO\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/procapgrischun.ch\/RO\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/procapgrischun.ch\/RO\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5755"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/procapgrischun.ch\/RO\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5755\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5760,"href":"https:\/\/procapgrischun.ch\/RO\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5755\/revisions\/5760"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/procapgrischun.ch\/RO\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5761"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/procapgrischun.ch\/RO\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5755"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/procapgrischun.ch\/RO\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5755"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/procapgrischun.ch\/RO\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5755"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}